Anliegen

Klima-Bündnis der Städte und Gemeinden

Sächsische ImmobilienzeitungLanger Weg zum Klimaschutz - Klima-Konferenz in Dresden

Klimabuendnis02Seit dem Wendejahr 1990 konnte die Sächsische Landeshauptstadt ihren Ausstoß klimaschädlicher Abgase, bestimmt als Tonnen CO2 je Jahr und Einwohner von klein bis groß, auf 9,9 Tonnen im Jahr 2005 absenken. Hat Dresden sein selbsgestecktes Ziel für 2015 von 8,5 Tonnen erreicht?

Mit solchen Fragen und dem Hauptthema des Ausbalanzierung von Umweltschutz und Energieversorgung beschäftigte sich die "Conference of Climate Alliance" die 2015 ertmals in Dresden tagte. ©

Veröffentlich in Sächsische Immobilienzeitung 2/2015, Seite 1 und 3

Ab 2050 nur noch erneuerbare Energien!?

      Dresden ist weit davon entfernt, ehrgeizig gesetzte Klimaschutzziele zu erreichen. Kernziel ist, die Emission des klimaschädlichen Treibhausgas CO2 auf nachhaltig klimaverträgliche 2,5 Tonnen pro Einwohner und Jahr zu begrenzen. In den 90-iger Jahren konnte vor allem durch die Herausnahme von „Dreckschleudern“ der Energieversorgung Strom-Wärme, durch Um- und Neubauten - Verbundkraftwerk Nossener Brücke – für Dresden gut runde 35 Prozent Minderung der Einwohnerwerte auf einen Ausstoß von 9,9 Tonnen CO2 im Jahr 2005 erreicht werden. Seitdem stagniert der bilanzierte Ausstoß auf diesem Niveau.

      Der Stadt Leipzig, das wie Dresden 1994 - Chemnitz schon 1992 - dem ‚Klima-Bündnis der europäischen Städte mit indigenen Völkern der Regenwälder e.V.‘ beitrat, ergeht es ähnlich. Das ursprüngliche Ziel, die Halbierung der Emission von Treibhausgasen konnte durch die Transformation der Energiesysteme nach der Wende erreicht werden. Doch gibt es seit einigen Jahren einen wenn auch langsamen Anstieg der Treibhausgase auf jetzt wieder 6,6 Tonnen CO2 Emission, insbesondere durch Zuwachs aus dem Gebiet des Verkehrs.

Klimabündnis der Kommunen mit indigenen Völkern
      1990 hatte sich ein kleines Häuflein von Städten, Gemeinden und Landkreisen zur Verpflichtung zusammen gefunden, das Weltklima zu schützen. Inzwischen auf 1.700 Mitgliedskommunen in 25 europäischen Ländern angewachsen, ist dieses Klima-Bündnis das weltgrößte Netzwerk, das sich für Klimaschutz und ausdrücklich den Erhalt der Tropenwälder einsetzt. Die Mitglieder unterstützen sich zum Erreichen ihrer Selbstverpflichtung, den CO2-Ausstoß alle fünf Jahre um zehn Prozent zu senken und die Pro-Kopf-Emissionen bis spätestens 2030 (Basisjahr 1990) zu halbieren. Solidarisch mit dem Kampf der Völker der Amazonasregion um die Bewahrung des Regenwaldes verzichten sie auf Tropenholznutzung und unterstützen Projekte und Initiativen der indigenen Partner im Bündnis.

      Am 23. Und 24. April war Dresden erstmals Gastgeber der ‚Conference of Climate Alliance 2015‘. Über 230 Teilnehmer aus mehr als 10 Ländern diskutierten und berieten über Themen, bei denen neben der unablässigen Aufgabe Treibhausgas-Minderung die drängende Umgestaltung des Energiesystems, -Sicherheit, -Speicherung im Mittelpunkt stand. Wind- und Solarenergie müssen besser in die Energieversorgung integriert und die Netze intelligent optimiert werden. Würden doch, so schätzt Joachim Lorenz, Präsident des Klima-Bündnis, der Bedarf ab den 2050 Jahren zu nahezu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt werden können. Zwei Resolutionen wurden beraten, für die UN-Klima-Konferenz im Herbst 2015 in Paris „Post 2015 – Maßnahmen und Lösungen“ und „Marktmodell Energiewende – ein neues Energie-Systemdesign“.

Dresdens Konzept

      Die Landeshauptstadt Dresden setzt im Besonderen auf Effizienzsteigerung und Ausbau der Energieversorgung in Kraft-Wärmekopplung. Sie positioniert sich selbsteinschätzend als Vorreiter mit ihrem ‚Dresdner Klimaschutzkonzept‘. Es umfasst insgesamt 31 konkrete Maßnahmen für Wohnwärme, Industriestromverbrauch und Verkehr. Sie werden unter den Voraussetzungen realisiert, wirtschaftlich machbar, sozial verträglich und ökologisch sinnvoll zu sein. Dazu gehören u. A. die Modernisierung des über 500 Kilometer langen Fernwärmenetzes und die Optimierung von Heizungsanlagen.

      Zur Bewertung entwickelt die Landeshauptstadt Dresden gemeinsam mit dem Bündnis sowie fünf weiteren Kommunen und Regionen einen „Klimaschutz-Planer“, mit dem Energie- und Treibhausgas-Bilanzen der Städte und Gemeinden deutschlandweit erstellt und auf Basis gleichen Standards verglichen werden können.

Auf Exkursion
      In Runde-Tisch Beiträgen wurden auch Klimaschutz-Projekte alltäglicherer Art doch innovativer Lösung vorgestellt wie: „es geht auch ohne 8 bis 10 Meter breite asphaltierte Siedlungsstraßen“ (eine Mittelgemeinde in Österreich) und „Solar-Mieterstrom mit finanzieller Beteiligung“ (die Stadt Essen).

Auf drei Exkursionen erhielten die Teilnehmer Einblick in herausragend ökologische Projekte Dresdner Unternehmen und Betriebe.

      Deutsche Werkstätten Hellerau: Der Luxus-Innenausstatter zieht ökonomischen und ökologischen Gewinn aus einem Bündel von Maßnahmen wie Wärmerückgewinnung bei Klimatisierung der Lackierkabinen, Austausch von Leuchtstoffröhren gegen LEDs. Die Teilnahme in der ÖKOPROFIT-Kooperation hat sich bisher schon gelohnt, allein schon bei der Hallenbeleuchtung spart das Unternehmen im Jahr 32.000 Euro und mindert seinen CO2 Ausstoß um rund 50 Tonnen.

     Stadtentwässerung Dresden: Im Klärschlamm des täglich anfallenden Abwassers im Einzugsbereich von 740.00 Einwohnern „stecke pure Energie“ wie Ralf Strohteicher, der Technischer Leiter sagt. Diese holt sich das Entsorgungsunternehmen über die Verstromung des Klärgases und deckt damit den Eigenbedarf an Elektroenergie zu 60 Prozent. Die seit 2011 neue Schlammbehandlungsanlage an der Autobahn A4 markiert sich am Horizont mit ihren beiden 'Fauleiern'. Mit weiteren Prozessen an denen gearbeitet wird, wie Rekuperation aus Wärme- und Stromerzeugung aus Fließenergie des Abwassers, mit Geothermie, Solarenergie will der Entsorger vollständig Energieautark werden – aus Klärwerk wird Energiepark.

     eZelleron: Das Dresdner Startup-Unternehmen steht kurz vor Beginn der Mengenproduktion eines  'Kraftwerks in der Hosentasche'. Der Stromerzeuger des Ladegeräts für Smartphones und Tablets ist eine Batterie von hocheffizienten und emissionsarme Minibrennstoffzellen, betrieben mit Feuerzeuggas aus handelsüblicher Kartusche. Modularer Aufbau ermöglicht auch größere Einheiten. Speicher für Elekro-PKW sind für den Erfinder und Chef von eZelleron Sascha Kühn nicht mehr bloß Vision.

      DREWAG: der Dresdner Energieversorger hat jüngst in Dresden-Reick einen flexiblen Elektrospeicher ans Netz gebracht zur reaktionsschnellen und effizienten Stabilisierung des Stromnetzes bei Schwankungen aus dezentraler Erzeugung Wind, Sonne – etwa wie jüngst bei der partiellen Sonnenfinsternis über Europa. Der Batteriespeicher aus 23.800 eines US-Fabrikats von Lithium-Polymerzellen, untergebracht einschließlich Regel- und Sicherheitstechnik in nur zwei Containern, stellt eine Leistung von 2 MW mit einer Kapazität von 2,7 MWh bereit. 2,7 Millionen Euro kostete Sachsen erster, großtechnischer Batteriespeicher.

Noch weiter Weg
Klimabuendnis09      Auch mit diesen exemplarisch gewählten Beispielen aus mannigfaltigen Energiespar- und Umweltschutz-Initiativen und -Investitionen belege Dresden, aus Sicht seines amtierenden Oberbürgermeisters Dirk Hilbert, seinen Anspruch auf seine Vorreiterrolle im Klimaschutz. Derzeit bilanziert, d.h. berechnet die Stadt ihre Luftverschmutzung in der Betrachtungsperiode Jahre 2010 bis 2015.

      Wird Dresden seinen Verpflichtungswert im Klima-Bündnis mit nicht mehr als 8,2 Tonnen Treibhausgas-Ausstoß je Einwohner im Jahr 2015 erreicht haben; gar 5,8 Tonnen im Jahr 2030 erreichten? (8.5.2015 Bäu).