Schloss Scharfenberg

ScharfenbergRomantik auf wehrhafter Burg

Die Burg auf dem Felssporn über der Elbe südlich von Meißen wandelte sich zum Schloss. In der romantischen Epoche des neunzehnten Jahrhunderts, versammelten sich dort führende Köpfe der Zeit wie Novalis, E.T.A Hoffman, Theodor Körner, viele andere im "Scharfenberger Kreis".

Heute greifen abendlich-romantische Veranstaltungen als Herbssturm nach Novalis »Hast Du gefallen an uns, dunkle Nacht« im Oktober die Stimmung jener Hoch-Zeit auf.

Veröffentlicht:
Sächsische Immobilienzeitung 4/13, Seite 8
Dresdner Neueste Nachrichten 30. September 2013, Seite 16

Von Burg zu Schloss

Scharfenberg 7      So abwehrend der Zugang über Graben und Tore sich gibt, so freundlich empfangen nach dem dritten Portal ein weiter lichter Hof und der Herr des Schlosses heute den Ankommenden. Seit 1997 ist Gerd Leo Lippold Schlossherr auf Scharfenberg. „Familienbesitz“ sagt die Tafel am Eingang und tatsächlich ist der Name des heutigen Besitzers der jüngste auf einer kurzen Liste von nur drei dokumentierten Inhaber-Familien der langen Geschichte einer der ältesten Burganlagen in Sachsen. Auf einem Felssporn gelegen, zählt sie mit Meißen und Strehla zu den bedeutendsten Landmarken auf dem westlichen Hochufer der Elbe.

Wechselvolle Geschichte

      Die Burggründung unter Heinrich dem Vogler im Jahr 938 mag eine Mär sein. Erstmals urkundlich wird die Burg erwähnt 1227 im Besitz der Bischöfe von Meißen. Später - nach kürzeren Zwischenbelehnungen und -Besitz - dokumentiert seit 1403 bis 1939, waren Burganlage und Lehen über Jahrhunderte in Händen des führenden sächsischen Adelsgeschlechtes von Miltitz. Von ihnen wurde über der Burggründung auf dem Felsplateau nach dem Dreißigjährigen Krieg ein Schloss im Renaissancestil, in der bis heute, teils als Ruine erhaltenen Form, auf- und ausgebaut.

Hochromantik 'Scharfenberger Kreis'

Scharfenberg 2     Nach einem verheerendem Brand 1783 bauten die Miltiz ihren Besitz sukzessive im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts wieder auf. Zugleich wuchs Schloss Scharfenberg zu einem Zentrum der deutschen Hochromantik – die „Blaue Blume“ in den Ruinen, der wildromantischen Anlage mit ihren geheimnisvollen Gärten zu suchen? Dietrich und später K. Borromäus von Miltitz versammelten um sich führende Köpfe dieser romantischen Epoche. Zum „Scharfenberger Kreis“ gehörten Novalis, E.T.A. Hoffmann, Theodor Körner und viele andere. Wegen seiner berauschenden Lage war Scharfenberg auch für Maler jener Zeit ein Anziehungspunkt und beliebtes Motiv. F.Oehme, C.C. Dahl, Kaspar David Friedrich verewigten das Schloss auf dem Felssporn auf ihren Gemälden die in großen Galerien zu sehen sind.

     Der Besitzübergang nach den von Miltitz auf die Dresdener Fabrikantenfamilie Reichel war nur von kurzer Dauer bis 1945. Nachkriegstypisch war das Areal danach belegt mit Flüchtlingen, Umsiedlern, wurde später als Lager, Heimatmuseum genutzt. In den Kellern, als Geheimdepot der Volksarmee, lagerten bis 1990 Medikamente gegen Folgen eines ABC-Krieges. Nicht enteignet sondern nur in treuhänderische Obhut der Gemeinde übernommen, nahmen nach der Wende die Reichel-Erben ihr Eigentum wieder in Besitz. Mit unrealen Vorstellungen spekulierten sie aus dem Schloss mit massivem Umbau eine lukrative Hotelanlage zu machen. Dem aber der Status „Denkmal“ und Behördenstandhaftigkeit - in diesem Fall sonst oft nicht - einen Riegel vorschob.
Nach dem Krieg verwahrloste unter dem wechselnden Gebrauch die Schlossanlage mit ihren Gärten zunehmend bis herunter in einen erbarmungswürdigen Zustand, wie er sich in der Mitte der neunziger Jahre darbot. Obschon Ende der siebziger Jahre eine Gruppe junger Enthusiasten unter großem Einsatz und mit minimalsten Mitteln Sicherungsarbeiten vor allem im Dachbereich ausgeführt hatte. Alle die damals dort zusammengekommen sind waren Unangepasste, kritisch gegen das System, die sich auf Scharfenberg ihren Freiraum für Tun, Wort und Spiel schufen. Unter Ihnen auch Künstler, Maler der Leipziger-, Dresdner-, Berliner Schulen. Einer aus dem Kreis sollte wiederkehren - aus dem Westen.

Wiedererweckung

      Der 25 jährige Gerd Lippold war 1981 als „Asozialer und Anarchist“ ausgebürgert und binnen 24 Stunden ausgewiesen worden. Im Westen durchwanderte der als Tischler und Restaurator ausgebildete – was im später zugutekommen wird – viele Stationen von Deutschland, Südeuropa, Nordafrika bis zurück nach Amsterdam. Dort reüssierte er, kleinst beginnend, als Galerist für Zeitgenössische Malerei wobei ihm seine früheren Kontakte zu Künstlerkreisen zugutekamen. Mit Gespür und Geschick entwickelte er seine Galerie zu einer bekannten großen und erwarb sich ein Vermögen nach dem Lebensmotto „wenn nicht Anarchist dann Millionär“. Als er 1990 auf Reise in den Osten das erste mal nach der Wende wieder auf dem Scharfenberger Schlosshof stand, fiel „Das ist Es“. 1997 konnte er den Kauf von Schloss mit umliegenden Park und Waldstücken nach heftigem Preisherunterringen besiegeln. 2003 waren die Dächer neu eingedeckt – mit 900 Quadratmeter denkmalgerechten Bieberschwänzen.

Hotel im Schloss

Scharfenberg 8      Ein kleiner, exquisiter Hotelbetrieb begann 2005 mit zwei Zimmern, der bis 2011 zu 15 historisch gestalteten Gästezimmern und Appartements ausgebaut worden ist. Dazu kamen Salons, die historische Schwarzküche, Räume und ein Saal für Konzerte, Lesungen, Ausstellung. Die Schlosseigene Küche ist verpachtet an einen verbundenen Caterer, der auch für die Hotel- und Veranstaltungsgastronomie zuständig ist. Ganz ohne Werbung hat sich die Schlossanlage auch als romantische Hochzeit-Station etabliert. Für die Familie selbst sind die oberen Gemächer des Turmgebäudes ausgebaut – durchaus mit heutigen Finessen, wie Fußboden-und Wandheizung gespeist vom großen Kamin. Der über 10 mal 20 Meter große stolze Rittersaal dient offen ohne Dach, dessen Einsturz in den Achtzigern nicht aufgehalten werden konnte, für Openair Musik- und andere Veranstaltungen mit Ruinenflair.

     Den Ausbau hat Lippold im Großen und Ganzen abgeschlossen „dabei soll es bleiben“, sagt der Schlossherr, dem als Schlossherrin die Lebensgefährtin Frau Jurate Neimantiné mit zwei Söhnen zur Seite steht. Finanziell gestemmt ist alles ohne Kredite mit Baumaßschritten nach dem, was hereinkommt. Zu den Eigenmitteln, meist 50 Prozent, Förderung bis 80 Prozent des denkmalpflegerischen Mehraufwands. Sie kam nach den üblichen langwierigen Genehmigungsläufen vom Land Sachsen und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
Der sich Verabschiedende verlässt den Burgberg mit dem Gefühl, auch dieser „Familienbesitz“ wird sich mit seinem Namen in die Geschichte von Schloss Scharfenberg einschreiben.

SchlossmenschenDas Schloss ist Mitglied im Verein privater Denkmaleigentumer in Sachsen e.V., eines Netzwerkes von mehr als 45 privaten Schloss- und Burgenbesitzern. "Schlossmenschen - Zu Besuch in 20 Privatschlössern Mitteldeutschlands", Leipziger Medien- und Serviceverlag 2011, 128 Seiten.

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Romantische Veranstaltungen

     Quasi in Wiederbelebung der romantischen Bewegung des Scharfenberger Kreises hat sich alljährlich eine herbstliche Abendveranstaltung auf dem Schauplatz der Gärten und des ganzen Schlosses einen wachsendes Bewundererpublikum erobert:

Herbststurm „Hast auch Du Gefallen an uns, dunkle Nacht – Novalis“ Oktober 2013, Schloss Scharfenberg an der B 8 vor/nach Meißen, Information  www.romantik-schloss-scharfenberg.de

(20.6.2013 Bäu)