Paraderäume August des Starken im Residenzschloss Dresden

Prunk zur Machtdemonstration 

Parade01Im Dresdner Schloss sind die barocken Prunkräume Augusts des Starken fertig rekonstruiert. Sie vermitteln einen Eindruck davon, wie sich der sächsische Kurfürst und polnische König in Szene setzte um Gleichrangikeit mit den Kaiser- beziehungsweise Königshöfen Wien und Versailles zu beanspruchen.

veröffentlicht  Sächsische Immobilienzeitung 4/2019, Seite 1 und 3

Wettiner Residenz fast fertig
      Der 1986 begonnene Wiederaufbau des Dresdner Residenzschlosses erlebt mit der Eröffnung der Paraderäume Augusts des Starken und seines Porzellankabinetts die Krönung. Vor genau 300 Jahren, anlässlich des Hochzeitfestes seines Sohnes Kurprinz Friedrich August mit der Kaisertochter Maria Josepha von Österreich, defilierte höfisches Gastpublikum zum ersten Mal in neuen Prunkräumen der Residenz. Am 2. September 1719, dem Tag an dem die habsburgische Schwiegertochter von August dem Starken und seiner Gemahlin Christiane Eberhardine empfangen worden war.

      Für diesen Anlass entstanden damals nicht nur die neun Räume der Parade-Appartements im Westflügel, vielmehr erlebte das gesamte zweite Geschoss des Schlosses eine Erneuerung. Die geschaffene Fest- und Repräsentationsetage begann an der Englischen Treppe und führte durch den Riesensaal und das Turmzimmer  – Augusts Schauraum Porzelankabinett - in den Westflügel. Hier entstanden die zeremoniell bedeutendsten und prächtigsten Räume der Residenz, mit denen der Kurfürst von Sachsen bewies, dass sein Schloss ein königliches war und im Wettbewerb mit den Residenzen der Könige Europas und dem Kaiser, Versailles und des Hofes Wien, bestehen konnte. In Dresden steigerte sich der Ausstattungsluxus von Raum zu Raum: Vom Eckparadesaal über die beiden Vorzimmer bis zum Audienzgemach und dem Paradeschlafzimmer übertrafen sich Kronleuchter, Wandtextilien und Möblierung in Anzahl und Kostbarkeit.

       1997 beschloss die Sächsische Staatsregierung mit Kabinettsbeschluss diese Festetage, die im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört wurde, soweit wie möglich wiedererstehen zu lassen. Die heutige, bis ins kleinste Detail gehende Rekonstruktion der Räume in ihrer historischen Fassung des 18. Jahrhunderts, ist eine immense Leistung in Regie des Staatsbetriebs Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), seines Planungsteams und einer Vielzahl von Restauratoren, Kunsthandwerkern und Handwerksbetrieben aller Gewerke gesamt. Dank umfangreicher Überlieferungen wurden Wiederherstellungen möglich, die den Originalen so nah als möglich kommen. So konnten die monumentalen Deckengemälde von Louis de Silvestre nach Farbfotografien von 1942/44 rekonstruiert werden. Die erhalten gebliebenen barocken Prunktextilien des Audienzgemaches aus Pilastern mit aufwendigen Goldstickereien und Posamenten konnten restauriert und roter wie grüner Seidensamt für die Wandflächen anhand vorgefundener Fragmente „fadengenau“ rekonstruiert werden. Verlorene Tapisserien entstanden nach vergleichbaren Vorbildern neu. Insgesamt arbeiteten 300 Handwerksbetriebe, regionale und aus ganz Europa, welche die alten Techniken noch beherrschen, gemeinsam an diesem Projekt, in dem sie ein einzigartiges Raumkunstwerk in historischer Fassung von 1719 wiedererschaffen haben.

      Die Kosten für die Wiederherstellung betragen rund 35 Millionen Euro, der Bund gab 12 Millionen dem Freistaat dazu. Die Rekonstruktion des Turmzimmers erforderte 5,4 mit einem Zuschuss des Bundes von 2,2 Millionen Euro. Mit der Eröffnung im September der Paraderäume sind reichlich 80 Prozent der Ausstellungsflächen des „Museums“ Residenzschloss eingerichtet. Im Frühjahr 2020 folgt der Lange Gang mit der Gewehrgalerie. Voraussichtlich 2023 sollen die wichtigsten Bauvorhaben am Schloss abgeschlossen sein und geplante 389 Millionen Euro gesamt verbaut sein, sagt „Schlossdirektor“ Dirk Syndram und „nirgends sonst kommt man August dem Starken so nahe wie in den Paraderäumen. Von keinem Herrscher des barocken Europa haben sich so viele, so prächtige und dingliche Zeugnisse erhalten, sie machen nun den Glanz, mit dem sich der Monarch umgab, heute unmittelbar nacherlebbar.“ (15.11.2019)
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