Sinopolis Oper Lou Salomé

Guiseppe Sinopolis 'Lou Salomé' am La Fenice in Venedig

Sinopolis Oper Lou SaloméDas prächtige Opernhaus Venedigs - mit vollem Namen Gran Teatro La Fenice di Venezia - widmete die Eröffnung der Opernsaison 2012 einer Hommage an die große Musikerpersönlichkeit der Lagunenstadt, Guiseppe Sinopoli, mit des Wiederaufführung von ‚Lou Salome', die sein erstes und bei seinem frühen Tod 2001 einzig gebliebenes Opernwerk ist.

TOP Magazin Dresden 1.2012, Seite 48
auch
Musik in Dresden, 6. Februar 2012
Sächsische Zeitung 9. Februar 2012, Seite 10

'Lou Salomé' die in München floppte jetzt in Venedig wiederentdeckt

       1946 in Venedig geboren, war der gefragte Dirigent – mit vielen Ring-Dirigaten in Bayreuth - zuletzt seit 1992 ChefdirigenSinopolis Oper Lou Salomét und nominiert zum Generalmusikdirektor an der Sächsischen Staatsoper Dresden. Sinopoli bedeutete für die Sächsische Staatskapelle einen besonderen Glücksfall, denn in dieser Konstellation kamen sowohl künstlerische Intentionen als auch Harmonie in der praktischen musikalischen Arbeit zur Übereinstimmung. Hätte Sinopoli sein Amt als GMD antreten können, so wäre für die Semperoper auch ein faszinierender Künstler als weit ausstrahlende Identifikationsfigur für das Publikum gewonnen gewesen.

      Er starb 2001 in Berlin am Pult einer "Aida", mit der er in Venedig seine Dirigentenkarriere 1976 begonnen hatte. Der in seinen frühen Musikerjahren als Komponist bekannt gewordene, war äußerst vielseitig orientiert und produktiv auch als Schriftsteller – bekannt "Parsival in Venedig" - promovierte in Medizin und Psychiatrie, beschäftigte sich mit Archäologe wissenschaftlich und als Sammler griechischer Keramiken, mal auch als Filmarchitekt. Ein Universalbegabter im humanistischen Sinn.

Lou Salomé
      Für die Protagonistin der Oper "Lou Salome", ein Auftragswerk der Bayrischen Staatsoper München, trafen der Komponist Sinopoli und sein Librettist Karl Dietrich Gräwe auf eine Person ebenso universeller Geisteshaltung. Eine frühemanzipierte Intellektuelle, philosophierend und schriftstellernd, gleichwie eine kapriziöse "femme fatal", verwandt Zeitgenossinnen von Alma Mahler-Werfel bis Franziska zu Reventlow. Sie den Lulus, Carmens, der mythischen Salomé zuzuordnen aber, wäre verkennend.
Die in St. Petersburg 1861 geborene Generalstocher russisch-deutscher Familie, Lou Andreas von Salomé, war im Freundeskreis ihrer berühmt-bedeutender Männer ebenbürtige Partnerin philosophischer Gespräche, aktive Muse wie Geliebte, Lebensbegleiterin, Therapeutin schließlich. Sie suchte unentwegt Nähe und war bindungsunfähig zugleich. Friedrich Nietzsche und Rainer Maria Rilke spielten in ihrem Leben die wichtigste, wie der Philosoph Paul Rée und Malwida von Meysenbug eine bedeutende Rolle und der Orientalist Carl Andreas, mit dem sie verheiratet war, ohne die Ehe zu vollziehen. In letzter Lebensphase wurde sie Schülerin von Sigmund Freud und praktizierte als Psychoanalytikerin in Göttingen, wo sie 1937 starb.

Die Oper
       Die Faszination welche diese schillernde Person 'Lou' auf europäischem Parket, auch auf Sinopoli ausgeübt haben muss, wie auch die der Zeit in der sie lebte, der Epoche des fin de siècle im Übergang zur Moderne, in der Musik wie überhaupt, wirkt deutlich in seine Komposition. Über und in die Partien gleißend schöner tonaler Klangflächen webt Sinopoli ein Netz von Anspielungen, wobei romantisierend schon mal Mahler aber auch Neutönerisches mit besonderer Instrumentierung, wie auch Stimmungen ironisierend-ländlerische und Wolga-Tönungen durchklingen. Der Part der Lou erhebt sich immer wieder erratisch über die Grundteppiche der Musik. Die Komposition schließt mit dem Lied der Lou " ich sage ja zum Leben, ich sage ja zum Tod" und einem Requiem für 20 Solostimmen A Cappella, das Sinopoli schon 1976 als eigenständige Komposition geschrieben hatte. ‚Lou Salome' ist keine Handlungs-Oper in traditioneller Weise sondern Stationen-Theater, das Episoden aus Lous Leben und Gedankenwelten erspielt, festgemacht an den Personen die sie bewegten wie Nietzsche, Reé, Freud und ganz wichtig Rilke.

       Die Uraufführung 1981 der zweiaktigen "Lou Salome" dirigierte der damals 35-jährige Komponist selbst. Inszeniert hatte Götz Friedrich. Vom Publikum beklatscht, von der Mehrheit der Kritiker bezischt, hatte nach sechs Aufführungen in München Sinopolis "Lou" niemals mehr und nirgendwo eine Wiederaufnahme gefunden. Sie galt als unaufführbar, Sinopoli zog die Partitur zurück.

Ausgrabung am La Fenice
Sinopolis Oper Lou SaloméIm dreißigsten Jahr nach ihrer Uraufführung, zu Ehren Sinopolis im 10 Jahr nach seinem Tod, wurde ‚Lou Salome' am La Fence in überarbeiteter Fassung wieder gespielt. Dirigent wie auch musikalischer Bearbeiter für die Wiederaufnahme war der langjährige Chefdirigent des Berliner Konzerthausorchesters, Lothar Zagrosek. Der Maestro ist oft auch Gastdirigent der Dresdner Philharmonie und übernimmt Dirigate der Semperoper. Zagrosek "Sinopoli wie auch der Regisseur der Uraufführung, Götz Friedrich, war unglaublich engagiert bezüglich des Sujets und der Aufführung. Sie überfrachteten das Stück mit Ideen, die Ur-Inszenierung mit opulenten Bildern. Was wir für La Fenice erarbeitet haben entspricht diesem Werk viel mehr. Wir haben vereinfacht, haben gestrichen, Rollen herausgenommen oder in nur sprechende gewandelt, musikalisch maßvoll gekürzt. Zum Ende ist eine maßgebliche Umstellung vorgenommen, Lou singt ihr Lied, dann kommt der Reqiem-Chor A Cappella. So ist es ein sehr eindrucksvoll stimmiger Schluss." Inszenatorisch war das Bühnengeschehen getragen von der originellen Idee Sinopolis Oper Lou Saloméum einen riesigen Baum zu spielen inmitten des teils vom Gestühl geräumten Parketts, das Orchester auf die Bühne postiert, im vier Reihen hohen Logentheater des La Fenice.

      Der Erfolg bei Publikum und das positive Urteil des italienischen Feulletons bestätigt, dass mit der Neufassung eine publikumswirksame Oper entstanden ist. Von starker Regiehand das Werk noch stringenter geformt, behutsam auch am Text gearbeitet, könnte Sinopolis Salomé-Musik als Opernwerk nachhaltig auch auf unseren  Bühnen bestehen. Der Semperoper stünde es an, den ersten Schritt zu wagen – und Sinopolis Musik würde es lohnen. (30.3.2012 Bäu)

Pausenbefragung venzianisch
Ein eleganter Herr, für das Intelligenzpublikum im Parkett sprechend: "Oh gewiss, ein musikalisches Opernexperiment, das muss man gesehen haben, schon wegen der Musik unseres Venezianers – aber einmal, das genügt"

Eine Frau, fürs Volk, Publikum der Galerie: "Oh nein, was muss ich so viel Geld bezahlen nur um einen Baum zu sehen und Musik zu hören die ich nicht verstehe."