ALPHA bis OMEGA - Wagnersänger-Alphabet

Von Adam bis Zobel - Ein Wagner-Sänger Alphabet

Boris3Ein Brief an Boris Gruhl. Sein Betreff: Das ALPHA bis OMEGA der Wagnersänger und wie es dazu kam ...

Interessant: Die Finanzierung der Publikation erfolgte über Chrowd-Funding zu dem der gegründete 'Verlag der Kunstagentur Dresden' im World-Wide-Netz aufgerufen hatte. Dresden Marketing stellt dafür eine Plattform zur Verfügung. www.Dresden-Durchstarter.de

Lieber Boris Gruhl,                               6. Januar 2014                        


ich zögerte, als die Anregung kam, Dein Buch zu besprechen, war doch ein bissel Nötigung dabei, denn sonst hät’s kein Leseexemplar gegeben. Kann so etwas gut gehen, über eines Freundes Buch die Feder spitzen? Gut oder schlecht. Na ja, siehe ‚Lese‘-Exemplar, das ich dann in einem Rutsch verschlang, ist ja mit seinen knapp 190 Seiten schon mal deshalb gar nicht lang- und in der Tat kurzweilig zu lesen. Auch wenn ich die Kolumnen (zugegeben nicht alle) schon kannte, kommen sie nicht eins-zu-eins im Buch und auch im Zusammenhang liest sich‘s noch anregender als solo sowieso.

„A“ wie Theo Adam war schon erschienen als wir beide auf Berichtsreise übers slowakische Nationaltheater- Slovenske Národné Divadlo, Du für Rezensionen ich zur Reportage, im Zug nach Bratislava saßen. Die Stadt gab den Initial her „B“ zur nächsten Kolumne. Im Gespräch auf langer Bahnfahrt erfuhr ich von Dir Boris, wie der Groschen fiel und die Idee ein Sänger-Alphabet zu schreiben aufgekommen war. Anregung gab Dir ein Buch. Unter dem Titel „Richard Wagner in der DDR“ erschien zum Wagner Jubiläumsjahr von Werner P. Seifert der „Versuch einer Bilanz“ der Wagner Rezeption nach der ‚Stunde Null‘ 1945. Gewichtiger aber noch der Hauptteil der Veröffentlichung einer gründlichen Dokumentation aller Wagner-Aufführungen seit 1945. Diese sorgfältig recherchiert komplett mit Dirigenten, Regie und Sängern aus den Besetzungslisten der Opernspielpläne von den fast 50 Theaterstandorten bis zum Ende der DDR.

„Wieder Wagner“ begann – aller Diskreditierung Wagners als „Ahnherr des Faschismus“ und einem Verbot auf vier Jahre der Sowjetischen Militäradministration von Wagner-Aufführungen zum Trotz – schon in der SBZ - Sowjetische Besatzungszone vor Gründung der DDR mit zehn Inszenierungen von Wagner-Opern, wie Seifert auflistet. Lediglich in unserem Dresden hielten die Berührungsängste am längsten und das Verbot wurde von den SED-Stadtoberen folgsamst gewahrt, so dass es zu einer Aufführung erst am 24. Februar 1949 kam. „Tannhäuser“ als erste Neuproduktion einer Wagneroper nach dem Krieg zur feierlichen Eröffnung des wiederaufgebauten ‚Großen Hauses‘. Die Titelrolle sang Bernd Aldenhoff, der nach der Hauptsache Theo Adam im „A“ Kapitel Deines Sängeralphabets gebührende Erwähnung findet.

Christian Thielemann berührt das späte „Wieder Wagner“ Desdens in seinem eloquenten Vorwort, das Eure Buch-Produktion bereichernd aufwertet – wer hat die denn geschrieben?
Und lieber Boris, ich kann‘s dabei nicht lassen, nachzutragen, dass die falsche Jahreszahl 1945 für erste Wagner-Aufführungen nach Stunde Null, in Deiner einleitenden Wagnersänger-Kolumne „A-Z“ zu korrigieren ist,

Wenn Du, die Seifert‘sche Publikation als Fundgrube nennst, muss ich Deiner Bescheidenheit widersprechen, höchstens stützt sie Deine Erinnerungen und ergänzt Dein Wissen, ich zitiere „… Ich hätte wahrscheinlich nicht diesen Schatz musikalischer Erinnerungen. Hätte mich nicht der Funke dieser Kunst erwischt, im Spätherbst 1962, in Berlin, in der Staatsoper, als Schüler der zehnten Klasse, aus Finow bei Eberswalde, in Wagners „Tannhäuser“ mit Ludmilla Dvořáková als Venus.“ Noch ein weiteres Textzitat aus Kapitel „D“ des Alphabets von weiteren Begegnungen mit Deiner ‚Venus‘ „Ich war hin und weg. Ich war der Oper verfallen, dank dieser Sängerin… Die Macht der Stimme, die Erscheinung, eine richtig toll aussehende junge Frau, naja, …“ Mich leider erwischte die Wagner-Erweckung nicht mit erotischem touch. Meinerzeit waren im Münchner ‚Prinze‘ - Prinzregententheater die Protagonistinnen eine Martha Mödl, Birgit Nilson, Leonie Rysanek – „M, N, R“ in Deinem Buch - eher schon vom Typ Heroine und ich als älterer Bursche weniger anfällig dem Verfall an eine Bühnen-Venus. Wieland Wagners aufregende Anja Silja kam erst später.

Nicht nur ein schier unerschöpflicher Schwall an Fakten sprudeln aus Deinem Schatz. Es ist die heiter, ausstrahlende Emotion – „jetzt wird’s sehr persönlich“ - mit der Du die nahezu unzählbaren Oper-Erlebnisse, Hörgenuss von Rundfunk, Platten- und neueren Medien, Gespräche, Begebnisse in Dein ‚Erinnerungsbuch‘ packst. Das, wie Du schreibst, keine Dokumentation sein soll und doch auf gewisse Weise eine ist, umfasst es 219 Sängerinnen und Sängern zu denen Du etwas sagst. Anerkennenswert Deine Einstellung zur Negativ-Kritik „ich blöke nicht - höre einfach auf zu klatschen“, wenn unter Massendynamik im Publikum Buh-Geschreie ausbricht und die auf der Bühne fertigmacht. Hast Du das alles im Kopf? 55 Jahre, wenn ich richtig gerechnet habe, Musiktheater-Leben. Gratuliere. Deine persönlichen Datenquellen kenne ich (noch) nicht. Sind es Archivmeter an Besetzungszettel, Programmen, Notizen im Zettelkasten zuhause? Sind es säulenhohe Platten- und Stapel an CD? Was noch?

Boris4Jedenfalls gehört in diesem Zusammenhang mit dieser persönlichen Rezension auf unsere reizende Janine Schütz aufmerksam zu machen, die kompetent, immer liebenswürdig und fix, als Leiterin des Semperoper Archivs bei der Quellensuche und Fotobeschaffung behilflich ist. Sie ist auch weiblicher Star mit Dir, Boris im Duett, in einem Video-Clip, mit dem Ihr das Buchprojekt zur Vorfinanzierung per Crowdfunding beworben habt und mit dem Ihr weiter für den Verkauf des Buches werbt.

Ja und auch das war neu. Ihr startete die Finanzierung mit dem ersten Projekt in der Kategorie ‚Literatur‘ unter 45 erfolgreichen sonstiger Crowdfunding-Projekten. Dafür stellt Dresden-Marketing GmbH, eine Einrichtung der Stadt Dresden, die Plattform www.Dresden-Durchstarter.de bereit. Für Euch hat die Crowd 4.400 Euro aufgebracht. Prima, dass das funktioniert hat!


Als Letztes aber nicht „least“ habe ich das eingestreute „Ihr“, „Euer“, "Euch“ zu erklären. Martin kommt ins ins Spiel, er war es, der vorschlug und initiativ wurde die Kolumnen ‚Adam bis Zobel‘ des Dresdner Musikportals Musik-in-Dresden in Buchform zu veröffentlichen. Dafür schuf er den ‚Verlag der Kunstagentur Dresden‘, dessen Herausgeber Dr. Martin Morgenstern maßgeblichen Anteil am Entstehen des Buches hat.

Herzlichen Dank also für das Lesevergnügen – Euer Peter Bäumler

So war‘s – so ist’s.


Boris Michael Gruhl "Von Adam bis Zobel", Verlag der Kunstagentur Dresden 2013, 23,80 Euro, z.B. bei Dresden Buch
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