Ernst von Schuch und Richard Wagner

Sonderausstellung im Wagner-Museum Graupa

Schuch04Wieder einmal mehr ist das schöne Jagdschloss Graupa an Dresdens Rand zur Stadt Pirna einen Besuch wert. Einer Kabinettausstellung der Richard-Wagner-Stätten wegen, die der Dirigentengröße Ernst Edler von Schuch (1846-1914) und dessen Fokus auf einen weiteren der Dresdner Musikidole, Richard Wagner (1813-1883), gewidmet ist.

veröffentlicht Musik in Dresden 8.2.2016, Features

Was in der Bretterbude begann

      Ein großer Brand hatte die erste von Gottfried Semper erbaute Hofoper am Zwinger 1869 zerstört. Eiligst war für das musik- und theatersüchtige Königshaus und das Dresdner Publikum eine provisorische Spielstätte, „Bretterbude“ genannt, errichtet worden. Nur drei Jahre später wurde der junge Ernst Schuch, abgeworben aus Basel und der Theatergruppe Pollini, als Musikdirektor der Hofoper 1872 engagiert. Kaum etabliert brachte der junge Kapellmeister Wagners „Rienzi“ in Dresdner Neueinstudierung 1873 auf die Bühne der „Bude“. In Anwesenheit des Komponisten, der sich trotz Verärgerung wegen von Schuch vorgenommener Kürzungen und zu schneller Tempi zu Schuchs Dirigierkunst geäußert habe „Das ist der einzige Schuch, der mich nicht drückt“.

     Bald folgten der „Lohengrin“ und Schuch wollte mehr von Wagner. In einem Schreiben 1875 an ihn erklärte er „Alle meine Kräfte diesem Werke zu widmen …„ und bat um die Aufführungsrechte für „Tristan und Isolde“, welche Dresden aber nicht bekam, da Wagner mit dem sächsischen Königshaus um die Bezahlung von Forderungen im Streit lag. Erst in den Achtzigern dann waren die Vorbehalte der Wettiner gegen den Revolutionär Wagner wegen dessen Beteiligung an der Frühjahrsrevolution 1849 abgeklungen.
Schuch nahm sich nach Richard Wagners Tod, in der neuerbauten, nun Zweiten Semperoper, vollends dessen Gesamtwerks an. Nur Uraufführungen waren nicht mehr nach Dresden zu holen. Als Direktor der Hofoper hatte Schuch Einfluss auf die Programmgestaltung. Durch konsequente Erweiterung der Kapelle zu einem der größten Orchester, der Berufung allersten Sängerpersonals schuf er ein Ensemble von Weltruf. Mit diesem erschloss und pflegte Schuch - inzwischen zum Generalmusikdirektor aufgestiegen und mit einem österreichischen Adelsprädikat ausgezeichnet – dem Dresdner Publikum das Gesamtwerk in Gänze seines viel früheren Amtsvorgängers, den er persönlich hoch verehrte. Dresdens Wagner-Rezeption kam in den Blick der ganzen Welt. Im Jahr der Dresdner „Parsival“-Erstaufführung 1914 zählte der Spielplan 61 Wagner-Aufführungen, davon 17-mal Parsival einschließlich der Premiere selbst.

      Die kleine Sonderausstellung im Seitenflügel des Jagdschlosses Graupa bringt schon mit ihrem Titel »Alle meine Kräfte diesem Werke … - Schuchs eigener Wagner« ihre Intention auf den Punkt. Alles, was sie von und über Schuch zeigt, hat irgendwie mit Wagner zu tun. Handschriftliche Notizen, Briefe, Theaterzettel, Plakate, Skizzen, Fotos wie das Original des Parsival-Bühnenbildentwurfs. Der Kurator der Ausstellung, Christian Mühne, hat mit unzählbar vielen Forschungsstunden in Archiven alles zusammengetragen, Originale und Faksimiles beschafft und dabei die Erfahrungen seiner 30 Dienstjahre für „Wagner in Graupa“ eingebracht. Schuchs Sprosse der Urenkelgeneration trugen mit Schaustücken bei, der Büste des Dirigenten, einem edlen Ehrentaktstock, einer Meistersinger-Partitur mit Eintragungen Schuchs, welche Urenkel Bernt-Christoph Lämmel dem Museum zur Dauerausstellung zur Verfügung stellt. Für die Gestaltung der kleinen Präsentation vor lohengrin-blauem und elegant grauem Hintergrund in Kabinetthängung zeichnen die Pirnaer Gestalterin Anke Albrecht im Zusammenspiel mit Katja Pinzer-Hennig, Leitende Kustodin des Hauses, verantwortlich. Martina Damm half mit Rat und Leihgaben der Familienstiftung, die sie unter dem Namen ihres Urgroßvaters ins Leben rief. Es ist die erste Sonderschau der Wagnerstätten die ausschließlich nach eigener Konzeption und in eigener Regie entstand.



Führung durch die Sonderausstellung mit Kurator Dr. Christian Mühne,
Sonntag 12. Februar 2017, 11 Uhr

»Alle meine Kräfte diesem Werke … - Schuchs eigener Wagner«
Sonderausstellung des Wagner-Museum Jagdschloss Graupa, bis 19. März 2017,
Richard-Wagner-Stätten Graupa

Geöffnet Di – Fr 11 – 17 Uhr, Sa/So/Feiertag 10 – 18 Uhr

www.wagnerstaetten.de