Anliegen

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich: zynisch und anmaßend in Sache Waldschlösschenbrücke

Die letzte Frist verstreicht - Im Juni wird Dresden wohl den Welterbetitel der Unesco verlieren

Kommentar Süddeutsche Zeitung 16/17.5.2009

Süddeutsche ZeitungZynischer geht's nicht. Bei einer Tagung über die kulturellen Folgen des demographischen Wandels im Hygiene-Museum in Dresden hat Sachsens umstrittener Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) am Donnerstag mehr Kultur-Engagement von seinen Bürgern gefordert: „Wenn es uns gelingt, dass Staat und Bürger weiter gemeinsam Verantwortung für ihre Kultur übernehmen, dann werden die kulturellen Kräfte unseres Landes nicht schwächer, sondern stärker." Süddeutsche Zeitung 16/17.5.09:

Armes Sachsen! Nirgendwo arbeitet die Politik in Kulturfragen fanatischer gegen den erklärten Willen der Bevölkerung. Die Bürger Dresdens haben die „Verantwortung für die Kultur", die Tillich einfordert, in imponierender Weise wahrgenommen, als sie gegen den Bau der Waldschlösschenbrücke im Dresdner Elbtal protestierten und so die ungeheure Blamage der Aberkennung des Weltkulturerbetitels durch die Unesco verhindern wollten. Die Antwort der Politik hätte nicht brutaler ausfallen können: Im Herbst 2007 rückten die Baumaschi-nen an und verwüsteten den Talhang, der bislang als Aussichtsbalkon in Richtung Innenstadt gedient hatte, und die am anderen Ufer gegenüberliegende Auenlandschaft auf einer Breite von mehreren hundert Metern so gründlich, dass auch dann, wenn das Wahnsinnsverfahren jetzt noch gestoppt werden würde, die Schäden für die Landschaft irreparabel sind. Die jüngsten Luftaufnahmen von der Baustelle lassen alle Phantasien von Verwüstung verblassen. Jedem, der sie sieht, ist klar: Unter dieser Brücke wird nie mehr etwas Lebendiges keimen.

So kann man es fast als schicksalhafte Fügung empfinden, dass einen Tag nach Tillichs anmaßender Forderung aus Paris die Nachricht durchsickerte, das Welterbezentrum der Unesco habe seinen 21 Mitgliedsstaaten empfohlen, auf der Jahressitzung am 23. Juni in Sevilla das Dresdner Elbtal wegen des brutalen Brückenbaus und der Negierung aller internationalen Warnungen endgültig von der Liste der Welterbestätten zu streichen. Ausgerechnet das altberühmte europäische Kulturzentrum Dresden wird also demnächst jene peinliche Demütigung als Kulturstandort erleben, die Köln vor einigen Jahren durch Einlenken beim Hochhausbau noch einmal vermeiden konnte. Die Schuldigen in Dresden sind leicht zu benennen: Es sind die Politiker von CDU und FDP, die das Ansehen der Stadt aufs Spiel setzen, Süddeutsche Zeitung G.K.