Bauen rund um die Dresdner Frauenkirche

Neumarkt02Es war eine Premiere. Der erste Presse-öffentliche Auftritt am 31. März 2017 der ‚Gestaltungskommission Kulturhistorisches Zentrum‘ die seit ihrer Einsetzung 1998 nahezu im Hintergrund das Baugeschehen am Neumarkt mit seinen acht Bau-Quartieren mitgestaltet. ©

veröffentlich Sächsische Immobilienzeitung 2/2017, Seite 3

Gestaltungskommision
      Beratend, denn Entscheidungsbefugnis hat sie keine, dennoch maßgeblich. Die gesammelte Kompetenz der Kommission entsteht aus dem denkmalpflegerischen, kulturhistorischen, städtebaulichen sowie architektonischen Fachwissen ihrer Mitglieder. Die Kommission ist beteiligt bei der Vorbereitung und Auswertung von Wettbewerben und Gutachterverfahren. Sie unterstützt die städtischen Fachbehörden bei Beurteilung und Entscheidungsfindung über die einzelnen Bauvorhaben und Gestaltung des umliegenden öffentlichen Raums. Die Herausforderungen am Neumarkt sind eminent, nicht nur wegen der Rasanz des Bauens, wie sie aktuell festzustellen ist. Es gilt die Forderung nach Historizität, die sich ausdrückt im historischen Grundriss der Quartiere mit Leitfassaden und Leitbauten, und die in kaum einer anderen Stadt so emotional herbeidiskutiert wird wie in Dresden, zu vereinen mit Anforderungen für zeitgemäßes Wohnen, gegenwärtiger Nutzung und heutiger Technologie. Denn im Grunde sind es Neubauten die am Neumarkt entstehen und nicht Denkmale per se. Nicht immer verliefe das harmonisch und ohne Kontroversen, wenn in und mit der Kommission zwischen den Interessen von Investoren und der Stadtentwicklung, die wiederum Stadtratsentscheidungen zu folgen hat, moderiert werden muss. Wie beispielsweise Gerhard Glaser, früherer Landeskonservator seit der Gründung der Kommission dabei, unbeirrt „es für einen Fehler hält, das Gewandhausareal nicht zu bebauen“. Wird doch dort nach letztem Ratsbeschluss eine Freifläche mit schattenspenden Bäumen und Sitzgelegenheit entstehen. Glaser verwandte sich auch gegen die Überbewertungen bei Streitfragen ob Staffelgeschoss oder andere Dachform am "Moritzhaus" oder Fassadenrekonstruktion des "Palais Riesch". 

      Baubürgermeister Raol Schmid-Lamontain führte die Diskussion über schon Gebautes beim Rundgang über den Platz, auf dem sich die Kräne der Baustellen drehen. Aktuell geht die Sanierung und der Umbau des Kulturpalstes seinem Ende entgegen. Ende April ist die große Wiedereröffnung. Das Quartier VII.2 am Jüdenhof von Kimmerle Unternehmen wird gerade fertiggestellt. In den Quartieren V.1 und VI nördlich und südlich der Frauenstraße bauen gegenwärtig die Bauherren USD-Immobilien, Professor Günter Blobel und KIB. Für das Quartier III zwischen Landhausstraße und der Rampischen Gasse und das Quartier VII.1 an der Schlossstraße Arbeiten die Bauherren Baywobau und CG Gruppe intensiv an den nächsten Planungschritten.

     "Der Wiederaufbau am Neumarkt geschieht im Spannungsfeld zwischen hochgestellten Ansprüchen an eine unverfälschte Wiedergabe der Stadtgeschichte einerseits sowie an eine fachlich fundierte Recherche und Wiedergabe des Stadtgrundrisses und der Gebäuderekonstruktionen andererseits.Ebenso hoch ist der Anspruch, zeitgemäße und qualitätsvolle Wohnungen, Arbeitsplätze, Stadträume und Gebäudegestaltungen zu schaffen" machte der Baubürgermeister die Herausforderungen an diesem exponierten Standort deutlich. (6.4.2017 Bäu)
Foto © Bäumler
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