Asisi Panometer "Leipzig 1813"

In den Wirren der Völkerschlacht Leipzig

Asisi 18132In diesen Tagen des Septembers jährt sich zum einhundersten Mal die Einweihnung des national-bombastischen "Völkerschlacht Denkmal" in Leipzig. Der Panoramen-Künstler Yadegar Asisi läßt in seinem neusten 360 Grad Panorama 'Leipzig 1813' mit anderer Sicht auf das Urereignis des Gedenkens schauen. Den 19. Oktober 1813, den Tag nach der von Napoleon verlorenen Schlacht um Leipzig. Er zeigt auf die in und durch die Straßen der Stadt strömende Soldateska aller Lager, ihre Wunden, Leiden der Bervölkerung, Zerstörung.

Veröffentlicht: Sächsische Immobilienzeitung 4/13, Seite 1 und 5

Bild einen Blut-Tages 

      Filmdrehmäßige Fotoshootings mit 400 Komparsen benötigte es für die 50 000 Aufnahmen allein zur Illustration der Straßenszenen. Unter den Statisten waren auch viele vom Leipziger ‚Verein Jahrfeier der Völkerschlacht 1813‘, auch wenn nicht, wie sie es gerne tun um Schlachtgetümmel nachzustellen, sondern das Leiden am Tag danach. Der Architekt, Maler, Fotokünstler, Unternehmer Yadegar Asisi, hat sein neuestes Panorama ‚Leipzig 1813‘,als riesiges 360-Grad-Rundbild, rechtzeitig vor Beginn der Gedenkwochen ‚200-Jahre Völkerschlacht‘, fertig und im ehemaligen, 1910 errichteten, Großen Gasometer Südost der Stadtwerke Leipzig auf die Wand gebracht.

Asisi 18133      Der Besucher steht inmitten des Runds auf einem 15 Meter hohen Turm und hat den Eindruck vom Dach der Thomaskirche herunter in die Stadt und über sie ins Umland zu schauen, bis zu den vom tagelangem Regen aufgeweichten Feldern, in denen die Schlachten tobten. Unten in den Gassen das Getümmel von Menschen, Feuerstellen, Soldaten, gekippte Karren, Verwundete. Männer Frauen schleppen sich herum, suchen ihre Kinder, Rösser laufen frei, Rauchsäulen brennender Vorstädte steigen hoch, im Westen flüchten die geschlagenen Franzosen in Richtung Weißenfeld. Bei ihnen Napoleon, nur von hinten zu sehen. Am Marktplatz vor dem Rathaus die Siegesfeier der Alliierten. Das Ausmaß der Katastrophe demonstrieren die Zahlen: drei Tage tobte das Abschlachten Mann gegen Mann, 600 000 Soldaten standen sich auf den Wiesen um die Stadt gegenüber, 92 000 verloren das Leben, zigtausende Verwundete, die Armeen strömten in, durch und aus der Stadt und sie waren zu beherbergen, zu verköstigen. Von Leipzig, das damals eine Einwohnerschaft von nur 32 000 hatte. Es dauerte mehr als 20 Jahre, bis sich die Handwerks- und Handelsstadt davon erholte.


      Asisi zeigt aus der Vogelperspektive in Struktur und Architektur genau, in den Details bestmöglich angenähert das Leipzig, wie es im angefangenen neunzehnten Jahrhundert war. Am 19. Oktober 1813, dem Tag nach der Schlacht, übervölkern die Plätze und einsehbaren Straßen viele Tausende - Figuren einkopiert ins Bild. Die zur Momentaufnahme eingefrorene Situation ist digital am Computer aus einer Unzahl von Fotos, Standaufnahmen, Bildteilen, Versatzstücken zusammengefügt – wie ein gigantisches Puzzle. Die Panoramadatei hat eine Größe von etwa 13 Gigabyte bei einer Bildgröße von 32 Meter Höhe und 110 Metern Umfang. Sie ist im Sublimations-Verfahren auf 3 Meter breite Spezialstoffbahnen gedruckt. Spezialisten für solchen extrem-formatigen Bahnendruck sind die Marx & Moschner Repro-Service GmbH in Lennestadt. Mit ihnen entwickelte Asisi auch das Aufziehen der aneinandergenähten Bahnen in Art eines Vorhangs mit Rollen auf Schienen oben im Rund des Gasometers. Der Künstler Asisi arbeitete an ‚Leipzig 1813‘ intensiv fünf Jahre selbst, sein gesamtes Team kam vor zwei Jahren voll dazu.

Asisi 18134      Der Unternehmer Asisi betreibt seine Panoramen unter dem geschützten Namen Panometer seit 2002, in Leipzig, Dresden Berlin sind sie zu sehen. Weil die wiederbelebte Panorama-Kultur so guten Zuspruch hat – 35 000 Gäste sahen das Neueste in Leipzig allein schon im ersten Monat seit Eröffnung – geht Asisi mit seinen Panoramen bald auf Reise. Zuerst nach Pforzheim, nächstes Jahr in Frankreich nach Rouen, der Stadt von Jean d’Arc, über die auch ein neues Rundbild entstehen wird.

      Der Künstler Asisi will sein Publikum zu anderem Sehen anregen, Einlassen auf die inszenierte Illusion, Augenwandern in einem stehenden Bild - gegen den kurzen Blick auf flimmernde Bilder unserer schnellen Zeit. In diese führt augenzwinkernd das neue Leipziger Bild mit winzigen Petitessen: Wie Asisi sich selbst abbildet als dokumentierender Zeichner auf dem zerschossenen Dachboden eines Leipziger Hauses. Wie Sabine Ebert, Autorin von 1813 – Kriegsfeuer, in Pose der Protagonistin Henriette ihres dokumentarischen Romans zu sehen ist.

»1813 - Kriegsfeuer« Bestseller Autorin Sabine Ebert,
Geschichte Leipzigs um Napoleon und die Preußen,
Verlag Knaur, 928 Seiten, Hardcover/Taschenbuch, 24,99/9,99 Euro