Pipi & Popo und JohoTrallala! Serkowitzer Volksoper im vierten Spieljahr

Sommertheater der Serkowitzer Volksoper auf der Saloppe

Serkowitzer2Zugegeben - reichlich albernde Spieletitel für Sommertheater die auf Georg Büchners »Leonce und Lena« und Carl-Maria von Webers »Freischütz« basieren. Gespielt Ende Juli 2014 vor der romantischen Waldkulisse der Sommerwirtschaft Saloppe oben auf dem Dresdner Elbhang.

Musik in Dresden 20.7.2014, Rezension

Nunmehr im vierten Spieljahr

      Die Albernheit der Titel hat Methode. Die Truppe der Serkowitzer Volksoper sieht sich, ihren Namensteil ‚Volks‘ betonend, in wienerischem Sinn einem Theater für Jedermann verpflichtet. Mit Musiktheater-Produktionen die „Ernsthaftigkeit und Jux mit Tollerei in sich vereinen“ vermitteln sie übers Amüsement an einem lauen Sommerabend einem Publikum, das nicht unbedingt dafür affin ist, Zugang zum Genre Oper. Über alle Generationen. Mit der neuen Inszenierung die auch eine Uraufführung ist »Pipi & Popo« werden auch Familien bis zu den Kleinen vergnügt. Dazu wird die Märchenoper an Nachmittagen gespielt.

Serkowitzer3     An den Erfolg des vergangenen Jahres (fünf quasi ausverkaufte, wetterbegünstigte Abende) knüpft die Wiederaufnahme der 2013er Inszenierung der Freischütz-light-Posse »JohoTrallala!« an. Es fiele ihnen schwer, Stücke nach fünf Aufführungen in 2013, sechs mit Generalprobe, in Versenkung verschwinden zu lassen „Da steckt literweise Herzblut drin (einer 22 köpfigen alle Jahre adhoc-Theatertruppe), ganz zu schweigen von den Fördergeldern, und nicht zuletzt hatten wir viel Spaß damit, den wir weitergeben wollen“ so Wolf-Dieter Gööck „an weiteres Publikum der Halbmillionenstadt Dresden.“ Er der Intendant, Impresario, Stückeschreiber, Regisseur, Schauspieler, Bühnenhandwerker in Persona ist und natürlich auch der Regisseur. Gööck leitet die Unternehmung gemeinsam mit Milko Kersten der die Musik schreibt, komponiert, an diversen Instrumenten musiziert und eigens für die Volksoper die Band »Musi Nad Laben« rekrutiert. Im Hauptberuf lehren beide in ihren Fächern an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Dresden. In ihren Produktionen der Serkowitzer Volksoper stehen fast ausnahmslos Studenten und Absolventen dieser Hochschule auf der Bühne.

JOHOTRALLALA!
      Auch in diesem Sommer wird wieder auf der Saloppe zur Jagd geblasen. Allerdings nicht auf Braun- oder Schwarzwild, nicht auf unschuldige Karnickel, nicht auf Wölfe (was ohnehin nach siebentem (!) Abschuss in Sachsen dieses geschützten Tieres skandalös ist) und schon gar nicht auf den Saloppe-Fuchs. Nein, es geht noch einmal einer Kuh ans Leder, und zwar ‚der‘ heiligen Kuh der Dresdner Operngeschichte, dem »Freischütz« von Carl Maria von Weber, Meisterschütze der rechtselbischen Seitentäler. Milko Kersten „Keine Note (fast) des Meisters ist geändert. Doch die für Musi nad Labem mittlerweile typische Instrumentierung lässt den Freischütz ganz anders erleben, unverkrampft und lockerer als das hehre Vorbild auf Staatsbühnen oder der Felsenbühne Rathen. Alle Melodien, die eine Freischützaufführung lohnend machen, kommen auch in der Saloppe, dennoch sind wir schneller „am Ziel“, für einen kurzweiligen Sommerabend im Freien. Eben „Freischütz light“ mit einer Prise Anspruch.“ (PR)

Serkowitzer4PIPI & POPO
      Die Geschichte von Prinz und Prinzessin aus den Königreichen Pipi und Popo, die sich nicht heiraten wollen und am Ende doch gemeinsam auf dem Thron sitzen. Im Gewand eines heiteren musikalischen Märchens für kleine und große Menschen ab acht Jahren, in einer Neufassung frei nach Georg Büchners »Leonce und Lena«. In dieser Komödie des Revolutionärs im frühen 19. Jahrhundert versteckt sich unter dem Deckmantel harmloser Fröhlichkeit eine Polit-Satire auf die Kleinstaaterei (heute Kooperationsverbot auf dem Bildungssektor zwischen Ländern und Bund) und Unsäglichkeiten der herrschenden aristokratischen Klassen. Das Stück ist schon mehrfach veropert worden, aber nicht passend zu Intention der Serkowitzer Volksoper. So haben Gööck und Kersten eine Neufassung zu einer Märchenoper erarbeitet. „Dem anspruchsvollen Text habe ich versucht eine Musik gegenüber zustellen, die leicht zugänglich ist und vor allem für Kinder und Jugendliche ‚im Ohr hängen bleiben‘ kann“, sagt Milko Kersten und „mit voller Absicht in stilistischer Vielfalt. Ob Schlager der Goldenen Zwanziger, jüdisches Volkslied, Rap oder Liebesschnulze, bei der vielleicht die sogar die Mama eine Träne unterdrücken muss - alles ist dabei. Sollte auf dem Heimweg von der Vorstellung auf dem Saloppeberg die ein oder andere Melodie gepfiffen werden, wäre ich glücklich.“(PR)

Sommerwirtschaft Saloppe, Brockhausstraße 1, 01099 Dresden

PIPI & POPO
Märchenoper frei nach Georg Büchner ‚Leonce und Lena‘, für die ganze Familie, Kinder ab acht Jahren
Uraufführung 24. Juli 16 Uhr, 25. Juli 16 Uhr, 26. Juli 15 Uhr,
27. Juli 16 Uhr, 28. Juli 16 Uhr

JOHOTRALLALA!
Posse frei nach Carl-Maria von Weber ‚Freischütz‘
Wiederaufnahme 24. Juli 20 Uhr, 25. Juli 20 Uhr, 26. Juli 19 Uhr, 27. Juli 20 Uhr

www.vorverkauf.waterloo-produktion.de und bekannte Vorverkaufsstellen, Abendkasse

Eintritt: Pipi&Popo 12 Euro, 6 Euro ermäßigt, JohoTrallala! 15 Euro, 8 Euro ermäßigt, zzgl. Vorkaufgebühr

www.serkowitzer Volksoper