25 Jahre Fahrrad-Lobby in Dresden

Anfang bürgerschaftlicher Radverkehrsförderung in Dresden

25 Jahre Fahrrad-Lobby in DresdenDrei Jahre vor dem Ende der DDR gründete sich im „Kulturbund“ als IG-Radverkehr eine erste basisdemokratische Radler-Interessenvertretung. Aus ihr ging, als Vereinsgründungen möglich wurden, die ADFC-Ortsgruppe Dresden hervor.

Dresdner Neueste Nachrichten 27. August 2012, S. 16
Dresdner Stadtteilzeitung 9/2012, Seite 4
refelektor winter 2012/13, Seite 12

Wie es begann

      Pflastersteine wurden gegen ein Baugerät aus dem Westen getauscht, für Keile an Bordkanten reichte der Asphalt nicht. So knapp waren die Mittel für den Straßenbau in Dresden damals, schildert Manfred Zweynert, als sich eine Gruppe Dresdner Radbegeisterter in der Interessengemeinschaft Radverkehr im Juli des Jahres 1987 zusammenfand. Zum Ausbau und für praktische Verbesserungen der Radwege legte sich die Truppe um Zweynert selbst Hand an. Im Arbeitseinsatz an einer der marodesten Strecken einer Art von „Elbradweg“, wurden auf 100 Meter unter der Eisenbahnbrücke auf Neustädter Seite eigenhändig Asphalt aufgetragen und selbst mit dem Rüttler eingestampft.

Erste Radrouten

      Eine andere Gruppe nahm sich die Ausweisung und Planung von Radtrassen zur Aufgabe. Nach Begehung und Befahrung wurde eine Ost-West Strecke gewählt, bei der mit geringstem Aufwand – kaum mehr als Bordabsenkungen - eine durchgehende Route für das Alltags-Radfahren hergerichtet werden konnte. Sie wurde zur „Erste Dresdner Radroute“ die von Tolkewitz auf der Kipsdorfer Straße über deren relativ guten Straßenbelag an den Rand der Innenstadt führte. Für den Weiterweg am Striesener Friedhof entlang, musste in mühseliger Verhandlung mit Ämtern Besorgnisse ausgeräumt werden, dass auf der kleinen Brücke über den Landgraben die Radler mit Fußgängern in Konflikt kommen könnten. Am Ende der Glashütter Straße gab es ähnlich mühseligen Kampf mit dem Ordnungsamt um die Genehmigung, dort an der Schule und einer Kaufhalle vorbeifahren zu dürfen. Da doch Radfahren der Kinder zur Schule, damals an den meisten der Schulen verboten war. Als Nord-Süd Strecke wurde die Alaunstraße zu dieser Zeit schon zur „Erste Fahrradstraße der DDR“ ausgewiesen.

Interessengemeinschaft Rad

     Die „IG-Rad“ erhielt Unterstützung vom Büro für Stadtverkehr beim Rat der Stadt Dresden, zu dessen Leiter Ditmar Hunger aus Weimar 1988 von Wolfgang Berghofer berufen worden war. Der Oberbürgermeister hatte begonnen seine Verwaltung mit neuen Leuten für ein besseres Dresden bezüglich Stadt- und Umweltqualität umzukrempeln. Das Büro selbst begann mit Planung für den Radverkehr in Dresden, wie es das vordem nicht gegeben hatte. Bei den Straßenbauern aber musste weiter gekämpft werden, auch um Geringstes, wie jede einzelne Bordabsenkung. Für Radverkehrsanlagen gab es kein extra Geld, kaum Baukapazitäten, Material wie Arbeitsmittel waren sehr knapp, wie auch für den Straßenbau generell. Die DDR war an ihrem Ende.

Von 35 auf 1300 Mitglieder

      Ausgegangen waren die Initiativen für den Radverkehr seit frühen 1980iger Jahren vom Ökologischen Arbeitskreis der Dresdner Kirchenbezirke, in dem sich Mitte der 80iger eine Arbeitsgruppe für Verkehrsökologie formiert hatte. Federführend durch Ralf Kukula hatten sie 1987 die Ausstellung „Auto - Fluch oder Segen“ ausgerichtet, gegen Willen der Stadtverordneten, was sie zum Schutz unters Dach der Versöhnungskirche zwang. Starke Impulse für das Radfahren in Dresden gingen auch aus von einer Präsentation dann schon zur Wendezeit in der Kreuzkirche „Grünes Licht im Radverkehr“. Im Herbst 1990 ging die vorher im Kulturbund eingebundene IG Radverkehr über in die bundesweite Vertretung der Radfahrer, den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club ADFC, der unter dem Landesverband in Sachsen eine Ortsgruppe in Dresden gründete. Aus dem damaligen Häuflein der Gründer einer Interessengemeinschaft von fünfunddreißig Radlern ist heute der schlagkräftige ADFC Dresden e.V., mit knapp 1300 Mitgliedern geworden, freut sich Manfred Zweynert, der Gründungsvorstand damals des Vereins war, wie auch Ralf Kukula, mit dem er 1988 den Vorsitz wechselte. (Bäu).