Berhard Maaz 100 Tage Generaldirektor der Bayrischen Staatsgemäldesammlungen

Ranggleich im Dreiklang der staatlichen Sammlungen Berlin, Dresden, München

BayrSamlungen2Vom Bayrischen Ministerrat zum Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen bestellt, trat Dr. Bernhard Maaz am 1. April 2015 in die Nachfolge des national wie international hochangesehenen Professor Dr. Klaus Schrenk. Davor leitete Maaz von Januar 2010 an die Galerie Alte Meister und das Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Mit den Staatsgemäldesammlungen hat Maaz in München nicht nur das Kunstareal mit Alter und Neuer Pinakothek, Pinakothek der Moderne und Museum Brandhorst in Obhut sowie die Sammlung Schack in der bayrischen Kunst-Metropole, sondern darüber hinaus 13 Zweigmuseen verteilt über ganz Bayern.

veröffentlicht Dresdener Neueste Nachrichten, 1./2. August 2015, Seite 10 Kultur

100-Tage Interview, Bernhard Maaz über seinen Start in München:

BayrSamlungen1     Schon dieses erste Vierteljahr brachte mir eine Fülle von Aufgaben, darunter einige grundlegende: Wir haben eine digitale Strategie erarbeitet und mit einer Reihe von Workshops begonnen, in denen Fragen der künftigen Datenbanken und der digitalen Kommunikation verhandelt werden. Es wurde eine Sammlungsstrategie erarbeitet, die den Erwerbungen der nächsten Jahre zugrunde liegen wird. Wir haben die Unterlagen für den Architektenwettbewerb für die Sanierung der Neuen Pinakothek auf den Weg gebracht und die Bauzeiten für die Alte Pinakothek revidiert. Die vorletzte Bemusterung für die bereits laufende Sanierung der Schack-Galerie ist abgeschlossen; hier gilt es nur noch, die Farbigkeit der Wände zu definieren. Das Projekt eines Bestandskataloges für die Bildwerke des 19. Jahrhunderts ist konturiert und bei einer potenten Stiftung beantragt. Es sind also einige Schwerpunkte gewesen, digitale, strategische und bauliche. Die nicht weniger wichtigen Personalfragen lassen wir hier einmal unberücksichtigt, obgleich immer gilt: Erst die Menschen und dann die Projekte!

Neben den fünf Häusern in München unterstehen Ihnen auch zahlreiche Zweigmuseen. Welche haben Sie schon kennengelernt beziehungsweise sich mit Ihnen näher beschäftigt:
      Ich war nun schon wiederholt in Augsburg (Staatsgalerie Moderne Kunst im Glaspalast) wo wir eine neue Ausstellung eröffnet haben, und ich habe Bamberg (Staatsgalerie in der Neuen Residenz) gesehen, da dort die Galerie vor kurzem auf kluge Weise modernisiert wurde. In Tegernsee steht das ebenfalls angegliederte Olaf Gulbransson Museum, und auch die Galerie Schleißheim (Staatsgalerie im Neuen Schloss) habe ich neu gesehen, denn mit dem neuen Amt hat man auch einen neuen Blick auf Altbekanntes: Das gilt für alle Filialen, auch wenn noch nicht alle in diesem Frühjahr von mir bereist wurden. Um Ihren Lesern einen Eindruck zu geben: Das Spektrum reicht von Füssen (Staatsgalerie im Hohen Schloss) an der Südgrenze bis Aschaffenburg (Staatsgalerie im Schloss Johannisburg), kurz vor Frankfurt: ein weiter Radius!

Worin sehen Sie nach dem Kennenlernen Ihre nächste Aufgabe; was wird eine besondere Herausforderung? Wieder Bauaufgaben:
      Die zahlreichen, großen und schönen Bauaufgaben selbst sind nicht die eigentliche Herausforderung für mich, nachdem ich ein halbes Dutzend Baustellen betreut habe: Jeder Bau hat Eigenarten und eigene Aufgabenstellungen, aber man kennt die Lösungswege beziehungsweise die Alternativen im höchst spannenden Bereich des Bauens und Sanierens von historischen Museumsgebäuden dann doch irgendwann ganz gut. Die Herausforderung liegt derzeit mehr in der Koordination der Logistik, denn es laufen mehrere Maßnahmen parallel, und daneben müssen wir noch ein Ausweichquartier finden, herrichten, beziehen und betreiben. Und wir bauen ja nicht nur in München, sondern beispielsweise auch in der Würzburger Filialgalerie (Staatsgalerie in der Residenz), um einen weiteren Standort zu nennen.

Zum Persönlichen. Ist es auch herausfordernd mit krachledernen Mentalitäten und Umgangsformen beispielsweise beim bevorstehenden Oktoberfestbesuch - dem Sie sich nicht entziehen werden können – umgehen zu lernen:
      Das Oktoberfest kenne ich seit einem Vierteljahrhundert, und warum sollte man sich dem guten bayerischen Bier entziehen? Die Münchener Mentalität ist herzlich, und zwar im Sinne einer aufrichtigen Herzlichkeit, also ohne Arg und Verstellung, und damit kann ich sehr gut leben, ja das ist einfach wohltuend.

Und schließlich pro domo. Halten Sie noch irgendwelche Aktien in Dresden, etwa die Bilderhängung zu bestimmen beim bevorstehenden Umzug der Interimsgalerie Alte Meister vom West- in den Ostflügel:
      Nun bin ich schon fast ein halbes Jahr weg von Dresden; ob es Aktien sein werden, vermag ich nicht zu urteilen, aber sicherlich sind es keine Hypotheken. Was die Hängung der Gemäldegalerie angeht: Mit Maike Hohn ist eine wunderbare Mitarbeiterin für die zweite Interimshängung der Gemäldegalerie engagiert. Sie kennt die Sammlung, die bisherige Hängung und die Spielräume der nunmehrigen Neu-Hängung, sie wird sie gemeinsam mit den beiden Kuratoren des Hauses und den Restauratoren zu nutzen wissen und die bestmögliche Hängung arrangieren. Wenn dabei, wie ich weiß, die prinzipiellen Änderungen von 2013 in subtil modellierender Weise weiterentwickelt sein werden, dann fällt das wohl am ehesten unter „Aktien“ – ebenso wie die Wanderausstellung der Dresdner Galerie »Rembrandt-Tizian-Bellotto«, die nach München nun in Wien gezeigt wird und sich dort im Winterpalais des Prinzen Eugen großer Beliebtheit erfreut. (das Gespräch führte Peter Bäumler, 31. Juli 2015)

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Bernhard Maaz verabschiedet

»REMBRANDT-TIZIAN-BELLOTTO«

Alte Meister und Kupferstichkabinett Dresden